l i e d . t e x t e

„Ich würd gern ihr schöner Schatten sein.“ („Schatten“ 2014)

kleine Auswahl:

Choice (2016)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

Gott würfelt nicht.

Sie würfelt doch.

 

Mein Wille tanzt die große Kür. Die Willkür küsst den Zufall zart und zaubert pirouettengleich, mit einem leisen Flügelschlag, das Grollen des Orkans. Im selben Augenblick, da küsst ganz anderswo, der selbe Zufall zart die Kür und will genauso wie zuvor. Und doch ist nichts als heiße Luft, am Ende dieses Flügelschlags.

Ich will es so, ich will es so, ich will es willkürlich belassen. Und so Gott will, bleibt sie inkognito.

I had a choice for hundred times. I had a choice for hundred times. I had a choice for hundred times. I had a choice for hundred times.

Geblendet von Bequemlichkeit, im Schluss der letzten Weisheit tät man willenlos nur das was unbewusst der Schoß der ganzen Sippe will. Und alle tanzten dann im Kreis. Der Sog des Meeresstrudels glich einem Orkan und zög ins Dunkle alles an. In ewiger Reprise.

So will ichs nicht, so will ichs nicht. Ich will es willkürlich belassen. Ich hab die Wahl. Ich wähl den Zufall.

I had a choice for hundred times. I had a choice for hundred times. I had a choice for hundred times. I have a choice for another hundred times.


Renn (2010)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

 

Ich flieg mit großen bunten Flügeln an, übern Wald, überd Wiesn und viel weiter noch. Die Welt die ich seh könnt auch meine sein. Doch die kann da nicht bleiben, muß weiter ziehn.

Und am Rand dieser Welt ist das End in Sicht, und ich fall in die Nacht und da gibts kein Licht und ich fall immer tiefer und dann bin ich da, wo ich alt bin und grau und die Füß sind kalt.

Und ich renn und ich renn, renn von mir davon. Und ich renn und ich renn, renn von mir davon. Und ich renn und ich renn, renn von mir davon. Und ich renn und ich renn, renn von mir davon.

Ich steh barfuß auf dem kalten Eis und ich komm nicht vor, nicht zrück und ich bin alt und hinter mir schläft ein ganzes Meer aus Glas und im Spiegel seh ich wie ich lebte und auch dass ich dich noch nicht getroffn hab.

Wir habn noch was zu tun. Und da taut das Eis an meine Füß‘ – ich werd nochmal jung und komm zu dir.

Und ich renn und ich renn und ich renn zu dir. Und ich renn und ich renn und ich renn zu dir. Und ich renn und ich renn und ich renn zu dir. Und ich renn und ich renn und ich renn zu dir.

No a letzts moi, no a letzts moi trau i mi, nua no amoi. Nua no amoi wü i gspian, wü rean, wü i lachn und verliern, nua no amoi.

Weiße Taubn fliegn mir aus meim offnen Herz. Ich bin grad gstorben, so schön ists da. Der Himmel ist nah. Unter mir da tanzen Kinder und die Eisbärn friern im Fell. Spielts für mich, singts mich in meine neue Welt, ich lach mit meinen müden Augn. Weiße Taubn fliegn mir aus meim offnen Herz. Ich bin grad gstorben, so schön ists da.

 


Schatten sein (2014)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

 

Ich bin nicht sie, die da im Licht. Vielmehr bin ich dahinter. A Illusion von Dunkelheit und eine die a Form beschreibt die ihr a andre geben hat. Eiskalte Füß‘ verbinden uns – es gibt mich nicht auf Erden. Sie wirft mich zrück, ich halt sie kühl, wir kämpfen ohne Plan und Ziel wenn nachts die Schatten aufblühn.

Ich würd gern ihr schöner Schatten sein. Ihre dunklen Seiten streicheln. Und wir solln wie ein Kind, wenns Licht uns verbindt‘, wieder leuchten.

Was hat uns trennt, was hat uns teilt, warum lieg ich am Boden? Sie ist nicht gut, ich bin nicht schlecht, habn wir uns in das Gfängnis gsteckt wo Schatten dem Licht weichen? Sie kann mich spürn, doch siehts mich nicht – sie hat sich oft schon umdreht. Wann lässt sie sich nur endlich falln, mit gschlossnen Augn in meine Arm? Sie darf bei mir daheim sein.

Ich würd gern ihr schöner Schatten sein. Ihre dunklen Seiten streicheln. Und wir solln wie ein Kind, wenns Licht uns verbindt‘, wieder leuchten.


Eistanz (2012)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

Mein Lied wird a weiße Wolkn. Ich sings in a stille Kältn. Ich steh in den Eislaufschuhn am See. Ich seh dich nur von der Weitn. Auch du kannst dich nicht entscheiden. Am Eis liegt a dicke Schicht aus Schnee.

Let’s melt the snow and ice we’ll dance and then we’ll dive.

Ich will mich nur drehn mit dir, ich will mich nur einfach drehn. Das Eis ist viel z’dünn und ich weiß dass‘ uns zwei nicht lang oben halten wird. Ich will mich nur drehn mit dir, ich will mich nur einfach drehn. Das Eis wird zum Wasser werdn, lass mich untergehn mit dir in deine Arm.

So blau wie das Eis sind d’Augen. Alls liegt unterm Schnee verborgen. Und ich würd so gern noch tiefer schaun. So schwarz wie die Nacht ists unten. Ich halt meine Augn verbunden. Nimm mich bei der Hand, lass mich dir auch vertraun.

Let’s melt the snow and ice we’ll dance and then we’ll dive.

Ich will mich nur drehn mit dir, ich will mich nur einfach drehn. Das Eis ist viel z’dünn und ich weiß dass‘ uns zwei nicht lang oben halten wird. Ich will mich nur drehn mit dir, ich will mich nur einfach drehn. Das Eis wird zum Wasser werdn, lass mich untergehn mit dir in deine Arm.


Abendsunn (2012)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

Da war schon ganz lang keiner mehr, das Haus ist staubig, alt und leer und alle Fensterläden zu. Die Balken sind aus Holz und weiß, wenn ich den dicken Staub wegstreich erahn ich d’Farb, es glitzert hell.

A Kettn mit am Schloss verbindt‘ zwei Flügeltürn, es geht der Wind, und ein ganz kleiner Spalt verspricht das Licht. Ich hör Musik, ich hör das Lied das ich dir immer vorspieln wollt. Es klingt so ungewöhnlich froh.

An Ketten hängt ein Radio.

Wir lehnen beide nebeneinand‘ und doch mit Abstand an der Wand. Und nur wenn ich die Augen schliess, dann traust dich, dassd mich siehst. Zwei Fraun, so herrlich jung und warm hältst du in jedem von deim Arm. Sie wolln dassd tanzt, du wirkst so müd, sie hörn ein ganz ein andres Lied.

Ich weiß, dass unsre beiden Händ‘ die Kraft habn die a Kettn sprengt. Die Türn wärn offen und das Haus wär dann ein Lichterrausch. Doch was ist dann mit unsrem Lied, ich will nicht, dass am Boden fliegt wo laute Füß, die wenig spürn, das kleine Radio zerstörn.

Da war schon ganz lang keiner mehr, das Haus ist staubig, alt und leer und alle Fensterläden zu. Die Balken sind aus Holz und weiß wenn ich den dicken Staub wegstreich erahn ich d’Farb, es ist a Freud, die Abendsunn‘ hat so viel Zeit.

Des is a Liad, des is nua a Liad, is a Liad des is nua a Liad, is a Liad, des is nua a Liad, is a Liad, des is nua a Liad.

It’s just a song, a simple song.

 

Still (2007)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

Wo bin ich selbst gebliebn? An Bruchteil kann ich sehn. Die Händ‘ vor meinen Augen sind faltig und schwach… Im Wind verliert mei‘ Stimm – ob ich schrei oder lach – die Sehnsucht nach ghört werdn und Sinn.

Still ists wordn, alls verlorn. Ich bin ganz und gar nicht mehr wichtig. Still ists wordn, kleine Narben maln sich auf meine Füß.

Die Zeit rinnt durch die Händ, dei Liebe ist so warm. Ich kanns noch schwer ertragen, dass hell wird um mich… Das Gfühl das ich verlier hat mich nur verwirrt. Ich will die Angst nimmermehr.

Still ists wordn, alls verlorn. Ich bin ganz und gar nicht. Und keine, und keine, und keine spitzen Scherben bleiben liegen, nur kleine, nur kleine Narben am Fuß. Die eine, die eine, die eine die mich so tief fallen lässt, die bin ich, die bin ich ganz allein.

Still ists wordn, alls verlorn und alls gwonnen dazu.


Hoch hinaus (2008)

Text & Musik: Sigrid Likar

Hoch hinaus


Raben (2006)

Text & Musik: Sigrid Likar

s.l.

 

The snow-white birds now lost their wings and fell into the sea. They smell like fish beyond their fins. The sky’s the same blue like the sea. The sea’s the same blue like the sky and nearly nothing changed at all.

Die Raben haben ihr Gesicht verlorn. Die guten Raben hier sind eingefrorn.

Da wo ich herkomm haben Tauben noch das weiße Zepter in der Hand. Und Raben haben Gutes vor und schauen weise auf ihr Land. Da wo ich herkomm ist der Himmel blau, wie hier das Meer, das ist der Unterschied. Ich sehe eure Flügel, die liegen ungenutzt am Boden und ihr tretet sie mit Füßen in den Staub.

Es hat sich einfach nichts geändert.

Warum bin ich schon wieder hier, ich hab gar keine Lust. Ich möchte heim, weit unter mein Meer, und mit den Sternen schwimmen. Ein jeder von euch hat ein Herz aus Gold und leuchtet nicht sehr weit damit. Es scheint als ob ihr stillsteht und die Erde sich nur immer weiter dreht.

Es hat sich einfach nichts geändert.

Die Raben waren einst mal Raben mit Gesicht und mit Gefühl und als sie es verloren haben, haben sie sich dann geschworn, nie mehr, nie mehr, hierher zurückzukehrn. Und Raben waren damals weiß und hatten Flügel so wie Friedenstauben und sie sahen weit, unendlich weit und jetzt ist es soweit dass sie um eure Köpfe kreisen, schwarz und kalt und ganz ohne Gesicht und manchmal schrecklich schrein… Sie sind einfach nur allein, die Raben.

 

 

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